Selbstliebe führt zu Beziehungsfähigkeit

In den letzten Monaten hatte ich immer wieder mit Menschen zu tun, die eine Beziehung suchen oder eine haben und sich nicht wirklich einlassen können. Das sind zwei Seiten derselben Medaille. Beides hat meist mit Selbstliebe zu tun. Diese fängt damit an, dass ich mich selbst ganz und gar annehme. Akzeptieren Sie Ihre Schattenseiten oder bekämpfen/ignorieren/unterdrücken sie diese?

Selbstliebe ist Voraussetzung für funktionierende soziale Liebe (also die Liebe zu einem anderen Menschen). Fehlt mir die Selbstliebe, dann beziehen sich alle meine Beziehungen auf meine eigene emotionale Bedürftigkeit. Diese Bedürftigkeit kreiert in meinem Inneren ein Vakuum, das nach Erfüllung strebt. Diese Erfüllung soll dann von außen kommen, von einem Menschen, dem ich diese Aufgabe zutraue, denn ich selbst liebe mich ja nicht.

Wer eine Beziehung sucht, sucht Bindung. Diese emotionale Bindung soll gute Gefühle erzeugen und glücklich machen, und das möglichst verbindlich (also dauerhaft). Wer eine Beziehung hat und sich nicht einlassen kann, scheut die Verbindlichkeit und erkennt nicht, dass eine emotionale Bindung schon da ist. Denn Verbindlichkeit und Bindung sind nicht dasselbe. Wie gesagt: zwei Seiten einer Medaille.

Mangelnde Selbstliebe führt in Abhängigkeit. Aufrichtige Selbstliebe erzeugt Beziehungsfähigkeit. Wie sagte Konfuzius: „Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir – für immer“. Entlassen wir also unsere Erwartungshaltung in die Freiheit und fangen wir an, uns selbst zu lieben.